Ein Gastartikel von Inga Ries-Schuller
„Inga ließ bereits Ansätze kritischen Denkens erkennen und hat gelernt,
sich in die Belange anderer Kinder nicht immer einzumischen.“ (1. Klasse)
„Inga hielt sich immer mehr mit kritischen Bemerkungen zurück, die andere Kinder betrafen.
Inga zeigte einen hohen Grad an Anpassungsbereitschaft.“ (2. Klasse)
Wenn ich diese Sätze heute lese, stehen sie für so viel mehr als nur Worte auf einem Zeugnis.
Sie spiegeln wider, wie ich mich als Kind gefühlt habe:
missverstanden, irgendwie anders – als käme ich von einem anderen Stern.
Es gab immer wieder Situationen, die andere Kinder scheinbar mühelos meisterten,
während sie für mich überwältigend waren.
Kindergeburtstage, bei denen ich nicht wusste, was mich erwartet. Besuche bei Freundinnen,
die mich innerlich unruhig machten.
Ich wollte so sein wie die anderen – unbeschwert, mutig, ohne diese ständigen Gedanken und Sorgen.
Doch der Versuch, mich anzupassen, scheiterte immer wieder.
Der lange Weg zum Verstehen
Mit 19 Jahren, nach einem einschneidenden Erlebnis, traf ich eine Entscheidung:
Ich wollte etwas verändern.
Es folgten Jahre, in denen ich mich intensiv mit mir selbst und meinen Verhaltensmustern auseinandersetzte.
Weitere Achtzehn Jahre später stieß ich eher zufällig auf das Thema Hochsensibilität – durch eine Anzeige für einen Kongress.
Obwohl ich den Begriff vorher noch nie gehört hatte, fühlte ich mich sofort angesprochen.
Am selben Abend begann ich zu recherchieren – und weinte vor Erleichterung.
Zum ersten Mal hatte ich eine Antwort.
Und das Gefühl: Ich bin nicht allein. Doch neben der Erleichterung war da auch Wut.
Wut darüber, dass meine Bedürfnisse als Kind nicht gesehen wurden.
Aus der eigenen Geschichte entsteht eine Vision
Schnell stellte ich mir die Frage:
Könnte meine Tochter ebenfalls hochsensibel sein?
Ich suchte nach Kinderbüchern zu diesem Thema und fand 2 für Kinder ab 4 Jahren.
Aus meiner eigenen Geschichte entstand der Wunsch, etwas zu verändern.
Nicht nur für meine Kinder – sondern auch für all die Kinder, die sich vielleicht genauso fühlen, wie ich mich damals gefühlt habe.
Ihnen zu zeigen: Du bist genau richtig, so wie du bist.
Es wuchs die Vision, dass hochsensible Kinder in ihrer Kraft aufwachsen,
um mit ihren geschärften Sinnen und ihrer Empathie die Welt ein bisschen freundlicher zu machen.
Also beschloss ich selbst dieses Kinderbuch zu schreiben.
Es sollte um so viel mehr als nur eine Geschichte sein.
Sondern, dass Kinder Worte für ihre Gefühle finden, ihnen zu zeigen,
dass sie nicht allein sind und ihnen einen Zugang zu sich selbst zu ermöglichen.
Warum Wiedererkennen für hochsensible Kinder so wichtig ist
Wenn ein Kind sich in einer Geschichte wiederfindet, passiert etwas sehr Kraftvolles:
Es erkennt sich selbst.
Plötzlich gibt es da eine Figur, die ähnlich fühlt.
- Die vielleicht auch überfordert ist, wenn es laut wird.
- Die merkt, wenn andere traurig sind.
- Die Zeit braucht, um Eindrücke zu verarbeiten.
Dieses Wiedererkennen nimmt Druck.
Es schafft Verständnis und vor allem Erleichterung.
Anstelle von „Ich bin falsch“ entsteht langsam der Gedanke: „So wie ich fühle, darf ich sein.“
Neben dieser emotionalen Entlastung vermitteln Bücher auch auf sanfte Weise Wissen.
Sie helfen Kindern zu verstehen, warum sie bestimmte Situationen intensiver erleben,
warum sie Rückzug brauchen oder warum sie so stark auf die Gefühle anderer reagieren.
Gleichzeitig geben sie erste, kindgerechte Impulse für den Alltag:
- Wie merke ich, dass es mir zu viel wird?
- Was hilft mir, wenn ich überfordert bin?
- Wie kann ich ausdrücken, was ich gerade brauche?
Kinderbücher als Brücke zwischen Eltern und Kind
Auch für dich als Elternteil entsteht durch solche Geschichten ein neuer Blick.
Du beginnst zu verstehen, dass das Verhalten deines Kindes kein „Problem“ ist, das gelöst werden muss –
sondern ein Ausdruck seiner Wahrnehmung.
Kinderbücher werden so zu einer Brücke:
zwischen der inneren Welt deines Kindes und deinem Verständnis dafür.
Genau das hat mir als Kind gefehlt.
Und genau deshalb war für mich klar: Ich möchte Kindern diese Brücke geben.
Madita und die Welt der feinen Gefühle
Mit „Madita und die Welt der feinen Gefühle“ habe ich ein Buch geschaffen,
das Kinder nicht verändern will – sondern sie in dem bestärkt, was sie sind.
Eine Geschichte, die zeigt, wie sich Hochsensibilität anfühlen kann.
Und gleichzeitig Wege aufzeigt, liebevoll damit umzugehen.
Worum es in Maditas Geschichte geht
Die fünfjährige Madita spürt, dass sie anders ist, und fragt sich, warum ihre Gefühle so intensiv sind.
Mit Hilfe des kleinen Schmetterlings Nilo, der sie zwei Tage lang begleitet, entdeckt sie die Welt der feinen Gefühle.
Madita erfährt, was es bedeutet, hochsensibel zu sein, und findet heraus, welche besonderen Stärken in dieser Gabe liegen.
Sie lernt, ihre Einzigartigkeit zu schätzen und entwickelt Strategien, um damit umzugehen.
Die Geschichte lädt Kinder ab 4 Jahren ein, ihre eigenen Empfindungen besser zu verstehen und
eröffnet auch Eltern neue Perspektiven für mehr Verständnis und Leichtigkeit im Alltag.
Damit Kinder früh erleben:
Ich bin nicht allein.
Ich bin nicht falsch.
Ich bin genau richtig.
Unterstützung für hochsensible Kinder und ihre Eltern
Wenn du gerade selbst überlegst, ob dein Kind hochsensibel sein könnte, findest du bei Denise eine sanfte erste Orientierung in der kostenlosen E-Mailserie „Ist mein Kind hochsensibel?“.
Und wenn dein Kind einen geschützten Raum braucht, um Gefühle, Selbstwert und
kleine Regulationsübungen spielerisch kennenzulernen, können die Wohlfühlmomente eine schöne Ergänzung sein.

